Verhaltenskodex für Lesementoren und ‑mentorinnen

1. Warum gibt es einen Verhaltenskodex?

Unser Verhaltenskodex dient dem Schutz der Kinder, die Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit begleiten, ebenso wie Ihrem persönlichen Schutz. Er soll dazu beitragen, dass die gemeinsame Zeit beim Lesenlernen und die Betreuung in einem geschützten, respektvollen und sicheren Umfeld stattfinden.

Dabei geht es nicht darum, Ihre Tätigkeit einzuschränken, sondern allen Beteiligten eine Orientierung zu geben und Sicherheit im Umgang mit unterschiedlichen Situationen zu schaffen. Der Verhaltenskodex bietet eine gemeinsame Grundlage dafür, wie im Rahmen der Lesementoren miteinander umgegangen wird.

Die Einhaltung dieses Kodexes ist verbindlich. Mit der Unterzeichnung der nachfolgenden Selbstverpflichtungserklärung erklären alle Lesementoren und Lesementorinnen, dass sie die genannten Regeln und Leitlinien anerkennen und einhalten.

Sollten Sie Fragen zu unserem Verhaltenskodex haben oder einzelne Punkte besprechen möchten, können Sie sich jederzeit gerne an uns wenden.

2. Grundsätze und Leitlinien

Ich verpflichte mich, in meiner Tätigkeit als Lesementor oder Lesementorin die folgenden Grundsätze verbindlich einzuhalten und umzusetzen:

Schutz und Wohl der Kinder steht an erster Stelle

Das Wohl der Kinder steht für mich an erster Stelle. Alle meine Handlungen richten sich am Wohlergehen der Kinder aus. Ich verpflichte mich, Fürsorge, Respekt und Sicherheit zu gewährleisten.

Respekt und Gleichbehandlung 

Ich behandle alle Kinder gleich – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Sprache sowie kulturellem oder sozialem Hintergrund. Diskriminierung, Mobbing und Ausgrenzung sind nicht akzeptabel.

Wahrung professioneller Grenzen

Ich gestalte die Begegnungen mit den Kindern bewusst in einem professionellen und vertrauensvollen Rahmen. Dazu gehört, Interesse an den Kindern zu zeigen, ihnen zuzuhören und auch über persönliche Interessen, Hobbys oder ihren Alltag ins Gespräch zu kommen.

Gleichzeitig achte ich darauf, die Grenzen zwischen einer Mentorenbeziehung und einer privaten Beziehung zu wahren. Private Kontakte, persönliche Gefälligkeiten oder eine unangemessene Nähe vermeide ich. Der Austausch privater Kontaktdaten (z. B. Telefonnummern) mit Kindern findet nicht statt.

Offenheit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit

Lesestunden finden in geeigneten Räumen statt, die eine möglichst ruhige Lernatmosphäre ermöglichen und gleichzeitig eine angemessene Transparenz gewährleisten. Abgeschlossene, nicht einsehbare Situationen mit einzelnen Kindern werden vermieden.

In Einzelfällen kann dies bedeuten, dass Lesestunden in offenen Bereichen oder bei geöffneter Tür stattfinden und dadurch eine gewisse Unruhe entstehen kann. Der Schutz und die Transparenz der Situation stehen dabei im Vordergrund.

Verantwortung und Vorbildfunktion 

Ich bin mir meiner Vorbildrolle bewusst und verhalte mich jederzeit angemessen – auch in meinem nonverbalen Verhalten, meinem äußeren Auftreten und meiner Kommunikation.

Datenschutz & Vertraulichkeit 

Persönliche und sensible Informationen über Kinder, Familien oder Situationen behandle ich vertraulich. Eine Weitergabe oder Veröffentlichung erfolgt nur mit ausdrücklicher Zustimmung der dazu befugten Personen und unter Einhaltung der Datenschutzbestimmungen.

Kommunikation

Ich gehe keine Freundschaften mit Lesenden in sozialen Medien ein. Die Kommunikation mit Lesenden, Eltern, Lehrkräften und der Schulleitung erfolgt ausschließlich über die offizielle E-Mail-Adresse oder über die mir als Lesementor oder Lesementorin bekannten und vereinbarten Kommunikationskanäle.

Gestaltung der Mentor-Schüler-Beziehung

Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Lesementor bzw. Lesementorin und Kind ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts und ausdrücklich erwünscht. Gleichzeitig ist es wichtig, dass diese Beziehung innerhalb des Rahmens des Mentoringprogramms bleibt.

Sollte der Eindruck entstehen, dass ein Kind eine besonders starke emotionale Bindung entwickelt oder die Beziehung über die gemeinsame Lesestunde hinaus ausweitet, wird dies frühzeitig und sachlich mit der Schule bzw. der Projektleitung besprochen. Ziel ist es, die Situation gemeinsam zu reflektieren und das Kind sowie alle Beteiligten professionell zu begleiten.

Meldung bei Verdacht oder Verstößen 

Jegliche Sorgen, Zweifel oder konkrete Hinweise auf unangemessenes Verhalten, Vernachlässigung oder Gewalt melde ich unverzüglich der Schule, der Projektleitung oder einer benannten Fachperson.

Mir ist bewusst, an welche Ansprechperson ich mich wende, wenn ich in meiner Arbeit Unterstützung benötige – sei es bei Unsicherheiten, Konflikten oder in Situationen, die meine eigenen Grenzen oder die des Kindes berühren. Ich kenne die internen und externen Anlaufstellen, die mir bei der Einschätzung von Risiken für die körperliche oder seelische Gesundheit des von mir betreuten Kindes, meiner eigenen Person oder anderer mir im Rahmen des Projekts bekannter Personen helfen.

Im Zweifel handle ich proaktiv: Ich suche das Gespräch, dokumentiere meine Beobachtungen schriftlich und leite bei akutem Handlungsbedarf unverzüglich die notwendigen Schritte ein. Nach der Kontaktaufnahme halte ich mich an die eingeleiteten weiteren Schritte sowie an konkrete Anweisungen oder Handlungsempfehlungen.

Sollte ich jedoch das Gefühl haben, dass die für mich zuständige erste Ansprechperson selbst Teil meines Unwohlseins, Konflikts oder Verdachts sein könnte, wende ich mich über die angegebene Telefonnummer oder E-Mail-Adresse des Projekts direkt an die Projektleitung.

Selbstverpflichtungserklärung

Ich, ___________________________________ , habe den oben genannten Verhaltenskodex gelesen und verstanden.

Mit meiner Unterschrift erkläre ich mich bereit, mich im Rahmen meines Engagements im Projekt „Lesementoren: Stark im Lesen – Stark für die Zukunft“ verbindlich an die genannten Regeln und Prinzipien zu halten.

Ich verpflichte mich, den Träger unverzüglich zu informieren, wenn gegen mich ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird oder ich rechtskräftig verurteilt werde wegen einer Straftat, die nach § 72a SGB VIII für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen relevant ist oder geeignet ist, meine persönliche Eignung für die Arbeit mit Kindern infrage zu stellen. Hierzu zählen insbesondere Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit, sowie sonstige Delikte mit Kindeswohlbezug.

Ich verpflichte mich zu einem respektvollen, gewaltfreien und grenzachtenden Umgang mit den mir anvertrauten Kindern.

Mir ist bekannt, dass die Projektleitung und die Schulen bei Bekanntwerden entsprechender Tatsachen berechtigt sind, meine Tätigkeit im Projekt vorläufig auszusetzen oder zu beenden, sofern dies zum Schutz der Kinder erforderlich ist.

Ich bin mir bewusst, dass jeder Verstoß gegen den Kodex Konsequenzen bis zum Ausschluss aus dem Projekt haben kann.

Ort und Datum

Unterschrift